Hier streitet für Sie…

In den letzten Tagen haben die Zeitungsmeldungen zur Gestaltung der Leipziger Vorstadt wieder sprunghaft zugenommen.

Während der Stadtrat zur Fortschreibung des Rahmenplans noch auf die Zuarbeit des Umweltamtes wartet (diese ist notwendig, um über einen möglichen Hochwasserschutz zu entscheiden), pochen die Investoren auf ihre redite-geifernden Interessen und maskieren diese mehr schlecht als recht als gestalterische Freiheit. Besonders die Dresdenbau-GmbH überzieht die Stadt mit Klagen und öffentlichen Anfeindungen. So soll die Hochwasserauswertung vom Juni 2013 gefälscht sein (Unterlassungsklage), der Stadtrat sei korrupt (zahlreiche Pressemeldungen und Anzeigen). Um ihren Drohnungen Nachdruck zu verleihen, will Frau Töberich sogar ein Stück des Elberadwegs wegbaggern lassen, der über ihr Privatgrundstück verläuft (DNN 23.3.2015). Nach eigenen Angaben diene diese Maßnahme nicht etwa der Erpressung einer Baugenehmigung, sondern einem Selbstzweck, den man irgendwo zwischen „gekränkt“ und „rachsüchtig“ ansiedeln könnte (DNN 25.3.15, SZ 10.3.2015).

Erste Spuren der investorenbasierten „Gestaltung“ sind bereits zu sehen am Puschkinplatz. Das Kulturprojekt Freiraum Elbtal e.V. ist hier unter Begleitung großer Medienpräsenz am 27.2.2015 von der Polizei geräumt worden. Um einen Wiedereinzug der Kulturschaffenden zu verhindern, wurden die Gebäude systematisch zerstört, sie stehen nun leer und ungesichert da (SZ 28.2.2015). Mehr noch: Das Grundstück und seine Umgebung wird seither wieder als Müllablageplatz missbraucht. Das Grundstück ist ungesichert, die Zugänge wurden von Anwohner_innen mit Gefahrenschildern markiert, aus Furcht jemand könnte verunglücken. Es scheint, als sei die Zeit um 10 Jahre zurückgedreht. Schon einmal lag die Leipziger Straße 33a in diesem Zustand da. Der Verein nahm sich des Grundstücks an, pflegte und hegte es über Jahre und entmüllte es sugsessive durch Eigenleistung. Nun ist die Kulturoase wieder zur Brache geworden und kein Mensch fühlt sich für dessen Absicherung zuständig. Den Freiraum Elbtal werden viele Menschen schmerzlich vermissen (besonders jetzt im Frühling), Luxuswohnungen hat im Gegenzug hier noch nie jemand vermisst.

Was neben den großspurigen und lauten Auftritten von USD (Projekt Hafencity) und Dresdenbau GmbH (Projekt Marina Garden) leicht übersehen werden könnte: Im Quartier gibt es weitere Grundstückseigentümer und auch Spekulanten, mit eigenen Plänen und Ideen.

Da wäre z.B. die Globus GmbH, die einen Vollsortimenter auf dem Areal des Alten Leipziger Bahnhofs errichten will, und öffentlich dafür wirbt, dass sie zeitgleich den geschichtsträchtigen Bahnhof als Mahnmal auf eigene Kosten wiedererrichten will. Jahrelang gab es hier Streit um die Ansiedlung und noch immer sind die Widerstände aus der Bevölkerung groß. Wie geht es nun hier weiter?

Ein ziemlich großes Grundstück besitzt seit Jahren schon die Procom-Unternehmensgruppe aus Hamburg, die auf rund 45.000m² Mietwohnungen und kleinteiliges Gewerbe entstehen lassen will (DNN 24.1.2015). Von diesem Vorhaben wurde bisher noch vergleichsweise wenig berichtet.

Auch dürfte den wenigsten bekannt sein, dass bereits im November 2013 die Kaufland Stiftung Co. (Neckarsulm) einen Teil des Procom-Grundstücks erwarb (SZ 24.3.2014). Bis auf den zügigen Abriss der geschichtsträchtigen Villeroy&Boch-Fabrik im vorvergangenen Jahr und die straßenseitige Abschirmung nebst Grünfällungen war hier bisher noch nichts zu sehen.

Müssen wir nun also damit rechnen, dass anstelle einer Globus-Marktes nun hier der hundertunderste Kaufland-Markt Dresdens aus dem Boden schießt?

Auch gibt es etliche Grundstückseigentümer, die – ebenso wie wir Einwohner_innen – mit Spannung und Bangen die intransparenten Entwicklungen abwarten dürften.

Der Alte Schlachthof ebenso wie die Showboxx und der Club Puschkin sind besonders in den Sommermonaten sehr belebte Inseln geselliger, mitunter nächtlich-lauter Vergnügungen. Damit dürfte Schluss sein, wenn eine maximale Wohnraum-Bebauung direkt bis an deren Grundstücke heran reicht. Wie ist es zu rechtfertigen, dass Bestandsnutzungen weichen müssen, um Luxusbauten den unverstellten Blick zur Elbe zu gewährleisten?

Einen ersten Vorgeschmack gab es in 2013. Da wehrte sich das Unternehmen Menarini erfolgreich gegen die Errichtung eines zehngeschossigen Wohnhauses, das direkt neben der stark frequentierten Ein- und Ausfahrt des Pharmaunternehmens geplant war (DNN 16.7.2013). Das Unternehmen konnte sich hier mit dem Projektentwickler USD einigen.

Auch ein kleiner Steinmetz-Betrieb staunte nicht schlecht, als er sein Grundstück in den Plänen der USD erst gar nicht wiederfand. Offensichtlich war er ganz einfach überplant worden. Dabei steht das Grundstück gar nicht zum Verkauf, befindet sich das Unternehmen doch seit drei Generationen im Familienbesitz.

Und war da nicht noch was mit einer Tankstelle, die die Dresdenbau GmbH an der Leipziger Straße errichten wollte? Noch vor wenigen Wochen wollte sie an ihrem Plan festhalten, die Veränderungssperre läuft Ende diesen Monats aus. War dies ebenfalls eine leere Drohung, wie die jetzt mit dem Elberadweg? Oder baut sie sie zum Schluss doch noch? Sehr zum Ärger des Immobilienkonkurrenten USD, der auf dem Nachbargrundstück Luxuswohnungen errichten will. Durch den Bau einer Tankstelle würde deren Grundstückswert sinken und wer will denn schon neben einer Tankstelle wohnen…

Zusammenfassend lässt sich etwa sagen:
Bis auf Drohungen, Zerstörung und eine Klageflut hat sich in der Leipziger Vorstadt noch nicht viel verändert. Oder doch immerhin etwas: Den Freiraum Elbtal gibt es nicht mehr. So wird es ab nun ein wenig trister zugehen am Neustädter Elbufer.

Vielleicht wäre es mal wieder Zeit für ein „Jahrhunderthochwasser“, um den Blick aufs wesentliche zurück zu lenken. Nicht die Politik allein und keine Immobilienmafia sollten darüber entscheiden, was wer wie bauen kann und darf. Die Elbe ist ein lebendiger Fluss, der seinen Raum braucht. Keine Neubauten im Überflutungsgebiet!

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