Was die Zeitungen NICHT schreiben…

Dieser Brief ging uns von Christian Helms ein. Er schickte ihn als Reaktion auf die „Anzeige“ der Dresdenbau an die Sächsische Zeitung (In dieser redaktionell unkommentierten halbseitigen „Anzeige“ – als solche kaum von einem journalistischen Artikel zu unterscheiden – machte Frau Töberich (Dresden Bau) kürzlich ihrem Unmut über die Neue Mehrheit im Stadtrat Luft. Sie bezichtigte diese der mutwilligen Verzerrung, der Investoren-Feindlichkeit und sprach ihr jegliche Kompetenz ab.) Der Brief schaffte es weder ins Blatt, noch bekam er eine Antwort. Wir veröffentlichen ihn gern für ihn. An dieser Stelle möchten wir auch unsere Einladung erneuern: Wer Mitteilung bezüglich der Bau-Vorhaben in der Leipziger Vorstadt hat, kann sie uns gern zukommen lassen. Wir bitten um Verständnis, dass nicht jeder Artikel veröffentlicht werden kann bzw nur nach redaktioneller Beraung. Wir sind aber gern bereit, Hinweisen nachzugehen, um auch weiterhin die Öffentlichkeit umfassend über die Planungen und Bauvorhaben im Quartier zu informieren.

Hafencity, Marina City, Verbrauchergroßmarkt

Widersprüchliche Informationen zu den Planungen verunsichern Bürger und Investoren.

Wenn vom neuen Stadtrat die gegenwärtigen Planungen für die Hafencity, die Marina City und den Alten Leipziger Bahnhof infrage gestellt werden, geht es um die Rückbesinnung auf die grundsätzlichen, von allen Stadtratsfraktionen bestätigten Entwicklungsziele für die Leipziger Vorstadt.

Dieses berechtigte Anliegen als „machtpolitisches Spiel“ darzustellen – so die Chefin Dresden Bau GmbH Regine Töberich in der Sächsischen Zeitung vom 20./21. September – trägt nicht zur Klärung bei.

Alle drei Vorhaben liegen in der Leipziger Vorstadt; einem Stadtgebiet, das im Osten und Norden von der Eisenbahn, im Westen von den Gründerzeitquartieren Pieschens und im Süden von der Elbe begrenzt wird.

Mit dem 2010 vom Stadtrat bestätigten Masterplan werden die grundsätzlichen städtebaulichen Entwicklungsziele dieses zentrumsnahen Stadtteils dargestellt. Er trifft Aussagen über künftige Straßenführungen, Baubereiche, Grünflächen, städtebauliche Strukturen sowie Bebauungsdichte und Bauhöhen. Für die Nutzungen der einzelnen Bereiche unterbreitet er Vorschläge. Maßgebend für die weiteren Planungen sind diese grundsätzlichen Entwicklungsziele.

Zu diesen grundsätzlichen Entwicklungszielen für die Leipziger Vorstadt gehört der Grünbereich entlang des Elbufers. Mit den umliegenden Stadtquartieren soll er durch weitere Grünbereiche bzw. Alleen verbunden werden. Offenbar respektiert weder die die Marina City der Dresden-Bau noch die Hafencity der Firma USD Immobilien dieses Anliegen. Lassen die bisher bekannten Planungen doch befürchten, dass die Gebäude zu nah an das Hafenbecken bzw. an das Elbufer heranrücken. Damit würden sie den von der Marienbrücke bis Pieschen durchgehenden öffentlichen Grün- und Flanierbereich gefährden. Ganz davon abgesehen, dass beide Vorhaben die vom Masterplan vorgegebenen städtebaulichen Strukturen, Bebauungsdichten, besonders jedoch die Bauhöhen unmittelbar am Ufer ignorieren.

Außerdem liegen beide Vorhaben im Überschwemmungsgebiet. Nach dem erneuten Hochwasser von 2013 gibt es für die künftigen Bebauungen in diesen Gebieten noch keine endgültigen Festlegungen.

Ebenso wie für die Hafencity und die Marina City setzen sich auch die Planungen für den Globus-Verbrauchergroßmarkt auf dem Alten Leipziger Bahnhof über grundsätzliche Ziele des Masterplans hinweg. Zu den Abweichungen von den städtebaulichen Vorgaben kommen noch entscheidende inhaltliche Widersprüche. So wird anstelle der vorgesehenen Kultureinrichtungen der Verbrauchergroßmarkt mit all seinen negativen Auswirkungen auf den Verkehr, die Umwelt und damit die weitere Entwicklung des Stadtgebietes geplant. Neben dem Masterplan wird hier zudem noch das Zentrenkonzept der Stadt missachtet, mit dem der Stadtrat weitere wichtige Stadtentwicklungsziele definiert.

Es ist deshalb irreführend und einer sachlichen Diskussion nicht dienlich, dem neuen Stadtrat vorzuwerfen, dass er mit der beabsichtigten Überarbeitung und Aktualisierung des Masterplans potentielle Investoren verunsichert. Zu Verunsicherungen führt es vielmehr, wenn ihnen offensichtlich Bebauungsmöglichkeiten in Aussicht gestellt werden, die von geltenden Stadtratsbeschlüssen und langfristigen Stadtentwicklungszielen nicht gedeckt sind. Mit derartigen „Absprachen“ werden die jetzt von Frau Töberich so beklagten Planungsunsicherheiten erst geschaffen.

Wer würde beispielsweise noch in den Wohnungsbau investieren, wenn er fürchten muss, dass ihm später in unmittelbarer Nachbarschaft ein Verbrauchergroßmarkt mit all seinen negativen Auswirkungen vorgesetzt wird? Mit Globus kann ihm das passieren. Denn anstelle von Wohnungsbau und Kultur – wie im Masterplan vorgesehen – wird jetzt an gleicher Stelle der Verbrauchergroßmarkt geplant – von der alten Stadtratsmehrheit auf den Weg gebracht.

Christian Helms, T.: 8435890, Dresden, 29.09.2014